Eine Betrachtung von Römer 12
ID
az008
Idioma
DE
Duración
03:06:38
Cantidad
3
Pasajes de la biblia
Römer 12
Descripción
Eine Auslegung des 12. Kapitels an die Römer, vorgestellt in drei Vorträgen. Die Vorträge behandeln aufbauend die folgenden Bibelverse aus:
1. Abend: Römer 12,1-3
2. Abend: Römer 12,3-8
3. Abend: Römer 12,9-24
Transcripción automática:
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Transcripción automática:
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Ja, wir brauchen wieder die Hilfe unseres Herrn, wenn wir jetzt den letzten und auch
längsten Abschnitt in diesem Kapitel lesen.
Römer 12, wir lesen von Vers 9 an.
Die Liebe sei ungeheuchelt, verabscheut das Böse, haltet fest am Guten. In der
Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung geht einer dem anderen
voran. Im Fleiß seid nicht säumig, seid inbrünstig im Geist, dem Herrn dienend.
In Hoffnung freut euch, in Trübsal hart aus, im Gebet haltet an, an den Bedürfnissen
der Heiligen nehmt teil. Nach Gastfreundschaft trachtet, segnet die euch
verfolgen, segnet und flucht nicht. Freut euch mit den sich Freuenden,
mit den Weinenden, seid gleichgesinnt gegeneinander, sind nicht auf hohe Dinge,
sondern haltet euch zu den Niedrigen. Seid nicht klug bei euch selbst,
vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor
allen Menschen. Wenn möglich, so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in
Frieden. Recht nicht euch selbst Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn, denn es steht
geschrieben, mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr. Aber wenn
dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen, wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken,
denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.
Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem
Guten. Soweit die letzten langen Verse aus diesem Kapitel. Wir haben beim Lesen
und Nachdenken darüber gemerkt, wie tiefgründig eigentlich jeder Satz in
diesem Kapitel ist. Und dass es sich lohnt, in aller Gründlichkeit darüber
nachzudenken und das wirklich als eine Botschaft Gottes an unser Herz anzunehmen.
Und wir haben auch durch den Vergleich mit anderen Bibelstellen gesehen, dass
kein Wort Gottes so von eigener Auslegung ist, sondern dass sich die Gedanken
Gottes in seinem Wort ergänzen miteinander und stützen gegenseitig. Und
die Entwicklung eigentlich in diesem Kapitel ist eine eine mehrfache.
Wir haben eingangs gesehen, dass es um unsere Haltung, unsere innere und auch
unsere äußere Haltung Gott gegenüber geht. Dass unser Leben, unser Körper, unser
Leib ein Opfer für Gott sein soll. Eine Darbringung, was uns etwas kostet. Aber
wir tun es eben, weil wir die Erwärmungen Gottes kennen. Und das, was uns vorhin
beschäftigt hat, war der Abschnitt, wo wir gesehen haben, wir sind als Glieder an
dem einen Leib zusammengestellt und da ist keiner ohne irgendeine spezielle
Aufgabe. Und diese Aufgabe ist gleichzeitig eine besondere Gnade, die
Gott jedem von uns gegeben hat. Wir haben gesehen, dass das Brüder betrifft, dass
das Schwestern betrifft, dass jeder seine Aufgabe hat in dem Rahmen, die Gott uns
in seinem Wort zeigt. Wenn wir über die verschiedenen Gnabengaben nachgedacht
haben, haben wir gesehen, manche sind ausdrücklich an anderen Stellen
ausgeschlossen für Schwestern beispielsweise, manche sind ausdrücklich
Brüdern vorbehalten wieder. Und wir tun gut daran, dass wir das ganze Wort in
seiner Fülle nehmen und sehen, an welchem Punkt, in welcher Umgebung hat Gott mir
welche Aufgaben zur Erfüllung gegeben.
Wir haben gesehen, wie grundlegend das Lehren ist. Dass es unerlässlich ist, dass
wir eine gründliche und ausgewogene Kenntnis von Gottes Gedanken haben, weil
wir, wenn wir das nicht haben, nicht wirklich ein Leben in praktischer
Übereinstimmung mit seinen Gedanken führen können.
Lehre geht immer vor Praxis und Lehre ist fundamental für uns. Vielleicht
dürfen wir das ruhig noch einmal betonen, wie wichtig Lehre ist. Ich weiß, dass das
gerade auch bei Jüngeren ein bisschen schwer ankommt, dass man sich mit Lehre
beschäftigen muss. Das klingt immer so, als muss man die
grauen Bücher von Bruder Dabi lesen, aber das ist es gar nicht so, obwohl ich
sehr empfehlen möchte, sie zu lesen. Aber Lehre ist gar nicht trocken.
Lehre ist lebendig und ich finde es sehr großartig, wie sich Lehre ergänzt an
den einzelnen Stellen der Schrift. Wenn wir vorhin davon gesprochen haben,
welche Aufgaben Brüder haben, welche Aufgaben Schwestern haben und wie
wertvoll es ist, wenn Schwestern sich in dem Rahmen, in den Gott sie gesetzt hat,
in der Familie, auch damit befassen, ihre Kinder in den grundlegenden Dingen des
Wortes Gottes zu unterweisen. Was das für eine hohe Aufgabe ist, dann ist das
keine öffentliche Lehrtätigkeit, aber es ist eine Verantwortung, die Gott auch
unseren Schwestern gegeben hat, in der Familie den Kindern, den Heilern groß zu
machen, den Weg zur Errettung groß zu machen.
Das öffentliche Lehren ist den Brüdern vorbehalten, aber es ergänzt sich beides.
Der Same wird oft schon in der Familie in den Kinderherzen gelegt und in der
öffentlichen Lehre, wenn sie verkündigt wird, geht dieser Same dann auf.
Und jetzt kommen wir in diesen dritten Abschnitt zu Gedanken, die nicht abweichen
von dem, was wir bisher gehört haben, sondern die wir sogar noch erweitern und
ausdehnen. Jetzt geht es eigentlich um unsere moralischen Kennzeichen im
Umgang mit Menschen. Vielleicht könnten wir sagen, die ersten
Verse dieses Abschnitts, den wir eben gelesen haben, da geht es um unseren
Umgang mit Gläubigen, aber vielleicht auch gar nicht nur. Etwas später dann so
ungefähr ab Vers 14, wenn es um Verfolgung und Feindschaft geht, dann
können wir davon ausgehen, sind damit ungläubige Menschen gemeint. Aber in
diesen Versen kommen jetzt, und ich möchte fast sagen Schlag auf Schlag,
Gedanken Gottes vor uns, wie wir uns moralisch, sinnlich in der Umgebung, in
die wir gestellt sind, den Menschen gegenüber verhalten. Gläubigen und
Ungläubigen gegenüber. Nicht unbedingt das Zusammenleben als Glieder des einen
Leibes mit unseren Gaben, sondern in welchen moralischen Kennzeichen
begegne ich den Menschen. Was ist die Motivation meines Inneren?
Und wie eine Überschrift fast über diesen ganzen Abschnitt geht es um die
Liebe. Und wir staunen vielleicht darüber, dass die Ermahnung ist, nicht
die ist, lebt mehr nach der Liebe, erweist einander mehr Liebe, sondern die
Ermahnung hier ist, die Liebe sei ungeheuchelt. Ungeheuchelt meint ja nicht
irgendwie vorgetäuscht, dass es nur so aussieht, als wäre es Liebe und so ist
gar keine. Ist das, ich habe mich das gefragt, ist das eine Ermahnung, die
wichtig ist für uns? Oder gibt es Beispiele, dass Liebe geheuchelt sein
kann? Dann habe ich gedacht, ja, es gibt
tatsächlich ein Beispiel, ein ganz tragisches Beispiel von geheuchelter
Liebe. Wenn wir an unseren Heiland denken, vor dem Garten Gezimmernähe, da kommt
einer, der dreieinhalb Jahre mit ihm gegangen ist und er hatte vorher schon
mit den Soldaten vereinbart, um einen Kaufpreis gehandelt und für dieses Geld
wollte er den Heiland überliefern mit dem Zeichen der Liebe.
Dann, ich habe das noch mal nachgeschlagen vorhin, dann steht in zwei
Evangelien sogar bei diesem Bericht, dass er ihn, der Judas, den Heiland vielmals
küsste, zärtlich küsste. Geheuchelte Liebe.
Es geht hier tatsächlich um, nachher kommen wir noch zu Bruderliebe, es geht
hier tatsächlich um diese Agape, diese göttliche Liebe oder die Liebe, die
immer in Beziehung von Gott gebraucht wird. Wir sollen uns da nichts
vortäuschen, Geschwister. Wenn wir über Liebe untereinander nachdenken, meine ich,
oder ich will es anders sagen, habe ich oft den falschen Nebengedanken dabei
gehabt. Wenn es geht darum, Liebe auszuüben, habe ich oft gedacht, das
bedeutet, wir sollen lieb zueinander sein. Möglichst lieb zueinander sein, aber das
ist es nicht. Natürlich wäre das schön, wenn wir immer
freundlich und nett und höflich und lieb miteinander umgehen, aber deshalb
steht ja, glaube ich, auch dieser Ausdruck, die Liebe sei ungeheuchelt, wenn
Liebe von Gott gebraucht wird, ist es immer dieser Ausdruck. Liebe bedeutet
nicht immer, möglichst lieblich miteinander umzugehen.
Die Liebe orientiert sich immer an dem Gehorsam des anderen dem Wort Gottes
gegenüber. Das sagt uns Johannes in seinem ersten Brief. Wenn wir da einmal
in Kapitel 5 lesen, Vers 1. Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist
aus Gott geboren. Und jeder, der den liebt, der geboren hat, liebt auch den, der aus
ihm geboren ist. Klingt ein bisschen typisch Johannes eigentlich, wie er so
seine Briefe immer schreibt. Man muss ein bisschen drüber nachdenken.
Aber er sagt im Kern, wenn du Gott liebst, aus dem du geboren bist, dann liebst du
auch jeden anderen, der auch aus Gott geboren ist.
Den Bruder, die Schwester neben dir. Wer den liebt, der geboren hat, der liebt
auch den, der aus ihm geboren ist. Er erkennt nämlich das gleiche Leben in
dem anderen. Und dann kommt der nächste Satz, der sehr wichtig ist. Hieran erkennen
wir, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir möglichst lieb zu ihnen sind.
Und das sagt er eben nicht. Wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.
Das heißt, die Liebe, die praktische, das praktische Ausleben der Liebe dem Bruder
gegenüber, orientiert sich daran, wie er dem Wort Gottes gegenüber gehorsam ist.
Ich will ein Beispiel nehmen aus dem Alten Testament, aber das macht das,
glaube ich, genau deutlich. Josef, als seine Brüder zu ihm gekommen sind.
Ihr kennt die Vorgeschichte, wie sie ihn verkauft haben, in die Grube geworfen
haben und dann an die Ismailiter verkauft haben. Und dann müssen sie nach
einigen Jahren der Hungersnot zu ihm kommen und um Brot betten. Hat er seine
Brüder geliebt? Absolut. War er immer lieb zu ihnen? Er war hart zu ihnen.
Warum eigentlich? Und das finde ich sehr bemerkenswert, wenn wir es am Anfang
dieses Abschnitts vielleicht noch einmal vor uns stellen.
Die Brüder hatten ihr verkehrtes Verhalten dem Josef gegenüber noch nicht
bekannt. Das war noch nicht bereinigt. Und Josef wusste, sie können noch nicht
wieder glücklich in ihrem Inneren sein. Sie haben unbereinigte Sünden auf ihrem
Gewissen. Und er führt sie in völliger Weisheit, meine ich, Stück für Stück
dahin, dass sie zum Erkenntnis und zum Bekenntnis kommen.
Ist ihm das leicht gefallen? Nein. Ich meine, sechs oder sieben Mal in diesen
Kapiteln steht davon, dass er geweint hat. Er redete hart mit ihnen und dann musste
er rausgehen und für sich alleine weinen, damit sie nicht dahinter kamen,
dass er dieser Josef ist, um den es geht. Und dann hat er weiter mit ihnen
gehandelt, bis sie zum Bekenntnis kamen. Dann hat er sich ihnen offenbart. Das
Handeln mit den Brüdern war hart, würden wir vielleicht sagen.
Aber es war Liebe. Keine geräucherte Liebe. Er hätte auch schön tun können und sagen
können, ja, ich weiß, dass ihr Hunger habt, euer alter Vater auch. Ich gebe euch Brot mit.
Wisst ihr, diesen Gesichtspunkt haben wir oft nicht. Wenn Geschwister unter uns
sind, die irgendwie in Sünde gekommen sind, dann können sie nicht glücklich
sein. Und dann können wir nicht Fünfe gerade sein lassen und alles beschönigen
irgendwie und lieblich reden. Dann ist es die göttliche Liebe, die ungeheuchelt
ist, die einen Weg mit ihnen findet, um sie wieder zum Bekenntnis und zum
Frieden zu bringen. Die Liebe sei ungeheuchelt. Ist, meine ich, eine sehr
wertvolle Überschrift über diese praktischen Dinge, die jetzt vor uns
kommen.
Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten. Diese Gegensätze von Gut und Böse,
die kommen einige Male in diesen Versen und so endet dann auch der Vers 21.
Hier wird gesagt, nein, ich möchte es versuchen deutlicher zu machen, was nicht
gesagt wird. Es wird nicht gesagt, lasst das Böse.
Das wäre auch gut, wenn wir das tun. Das Böse nicht tun. Aber das könnte immer
noch bedeuten, ich tue es deshalb nicht, obwohl ich es innerlich eigentlich tun
möchte, weil mich meine alte Natur immer dazu anstacheln möchte, aber ich habe
doch noch keine Haltung der Abneigung dagegen. Und hier heißt es verabscheut.
Habt einen Ekel davor. Und wenn ich das richtig weiß, ich bin auch kein
Kenner der alten Sprachen, aber ich meine, dass eine Erklärung, ich einmal dazu
gelesen habe, dass was Böse hier beschrieben wird, verabscheut das Böse.
Das ist ein Ausdruck, der meint nicht nur Böse in sich, sondern Böse sogar in
seinen Auswirkungen. Dieser Ausdruck wird vom Teufel selbst auch benutzt.
Der Böse, der nicht zufrieden damit ist, in sich Böse zu sein, sondern auch alle
anderen ins Verderben, ins Böse ziehen will. Davor sollen wir einen Abscheu haben.
Nicht nur es lassen, vielleicht mit ein bisschen Widerwillen, sondern es wirklich
ekelhaft finden, das Böse. Das ist eine Aufgabe für jeden Tag, fast für jede
Stunde von uns. Wenn ich an mich denke, das Böse, du brauchst nur rausgucken aus
dem Fenster, du siehst überall das Böse. Und einfach nur weggucken, wenn man
irgendwo unsittliche Bilder sieht, ist auch gut, aber es ist noch nicht die
Haltung, die hier gefragt ist. Die innere Haltung einer Abneigung dagegen. Und der
Gegensatz dazu, ich finde das immer großartig, wenn Gott vor etwas warnt, dass
er immer auch die gute Seite vorstellt. Dass er nicht nur sagt, du darfst nicht,
du darfst nicht, du darfst nicht, sondern er sagt, wenn du das lässt, ich habe
etwas viel besseres für dich. Haltet fest am Guten. Wenn wir das Gute, wenn wir die
helle Seite nicht haben, fällt es uns viel schwerer, die dunkle Seite zu lassen.
Aber er sagt, habt eine innere Abneigung gegenüber dem Bösen und klebt untrennbar
am Guten. Das ist meine ich die Ausdrucksweise hier.
In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung geht einer
dem anderen voran.
Bruderliebe, den Unterschied zwischen Liebe und Bruderliebe, den kennt auch
Petrus, wenn er in seinem zweiten Brief davon spricht, dass es so eine Folge von
Frucht im Leben des Gläubigen geben soll. Dann schreibt er in 2. Petrus 1, was
alles aus dem Glauben hervorkommen soll, die Tugend, die Erkenntnis, die
Enthaltsamkeit, Kapitel 1, Vers 5 und 6. In der Enthaltsamkeit das Ausharren, in dem
Ausharren die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in
der Bruderliebe aber die Liebe. Die Bruderliebe ist also das, das wir
erkennen, in dem anderen schlägt das gleiche Leben. Das ist das, was wir im ersten
Johannesbrief gelesen haben. Und ich muss euch sagen, die Bruderliebe zu genießen,
das macht einen richtig reich. Wenn man so ein bisschen unterwegs ist, ihr kennt
das selbst auch, wir sind ja eigentlich so reich gemacht, dass ich habe früher in
meinem beruflichen Leben oft mit meinem Chef Dienstreisen machen müssen und er
hat sich dann in der Vorüberlegung immer Hotels irgendwo gebucht. Und ich
habe ihm ganz oft gesagt, ich brauche kein Hotel. Wieso nicht? Ja, ich kenne da jemanden.
Da brauche ich nur anrufen und dann brauche ich nicht im Hotel schlafen. Und
das ging quer durch Deutschland. Und ich wusste, ich brauche dann nur anrufen und
dann wird mir das Haus aufgemacht, Bruderliebe. Das kennt die Welt nicht,
absolut nicht. Aber wir können das kennen und genießen. Jetzt sagt die Ermahnung hier,
seid herzlich zueinander. Also auch wirklich mit einem offenen Herzen, nicht so eine erzwungene
Bruderliebe. Es kommt jemand, da müssen wir ihm halt auch das Haus auftun, sondern in aller
Herzlichkeit. Und Geschwister, das ist ein Genuss, wenn man in Häuser kommt und mit
Herzlichkeit begrüßt wird. Das ist ein großartiges Geschenk, wenn man so unterwegs
ist und das erlebt, Bruderliebe, nicht nur den Buchstaben nach, sondern dem Herzen nach.
Der Johannes hat auch immer einen Brief an den Dimitrius Gaius, entschuldige, ich muss lesen,
im dritten Johannesbrief geschrieben, wo er dazu ihn sogar gelobt hat, wie dieser Gaius gehandelt
hat. Dritte Johannes 5, Vers 5, Geliebter, treu tust du, was irgend du an den Brüdern und zwar
an Fremden tust. Dieser Gaius, da kamen Besucher, Gäste, fremde Brüder, also solche wahrscheinlich
Ausländer, die er nicht kannte und getreulich hat er ihnen das Haus aufgetan und sie aufgenommen.
Sehr interessant den Gegensatz zwischen dritten und zweiten Johannesbrief zu sehen, in dem einen
wird gewarnt davor jemanden aufzunehmen, im anderen wird ermuntert, nimm auf, nimm auf,
wenn sie die Wahrheit bringen, nimm auf und sogar geleiten auf eine gottesfürchtige Weise.
Das heißt also nicht nur froh sein, wenn der Gast wieder geht, sondern vielleicht auch noch
mal bis zur Tür bringen. Ihr kennt so diese praktischen Hinweise, die damit eigentlich
verbunden sind. Bruderliebe hört nicht auf, wenn der Gast das Haus wieder verlassen hat.
Ich habe übrigens mal, ich will ja nicht viel von mir reden, aber für mich als junger Bruder war
das damals ein echter Lohn gewesen. Ihr versteht, wenn ich das jetzt gleich erzähle, ein alter,
sehr wertgeschätzter Bruder, der viel unterwegs gewesen ist. Er hat uns oft in Salzgitter besucht
auf seinen Reisen, der kam immer mit der Bahn. Dann war der bei uns im Haus und dann haben wir
ihn auch wieder zur Bahn nach Braunschweig gebracht und ich habe damals gerade meinen
Führerschein gehabt und ich war stolz, dass ich fahren durfte und dass dieser Bruder aus dem Werk
des Herrn dann neben mir gesessen hat. Das ist, wenn man als junger Mann ist, ist das was. Mein
Vater war auch mit, dann haben sich die alten Brüder am Bahnsteig von Braunschweig verabschiedet
mit einem Bruderkuss. Dann hat dieser alte Bruder mich an seine Brust gezogen und hat gesagt, du kriegst auch
einen Bruderkuss. Das ist irgendwie Herzlichkeit, Bruderliebe. Wenn sie gelebt wird, da gehen die
Herzen auf, Geschwister. Und dann empfindet man, wie reich man ist im Volk Gottes. In Ehrerbietung
geht einer dem anderen voran. Eigentlich hatten wir ja am Anfang so ein bisschen gemahnt davon mehr
oder schneller oder vor anderen zu sein, aber hier meint das eigentlich, lass dich nicht von
anderen überholen, die Wertschätzung erweisen. Sei du der erste, der anderen Wertschätzung erweist.
Wertschätzung erweisen. Das heißt auch ein Auge dafür zu haben, wie wichtig der andere oder die
andere ist. Und dann ihm das auch mal zu zeigen, was das bedeutet für dich, dass der andere mit seinen
Gaben da ist. Nicht, weil du gerade persönlich vielleicht einen Nutzen davon gehabt hast, aber
dass Gott gerade diesem Bruder, diese Schwester in deine unmittelbare Umgebung gesetzt hat, ihm das
mal zu zeigen, Wertschätzung zu erweisen. Das bedeutet ja gedanklich sich ein wenig darunter
einzuordnen. Das fällt uns manchmal ein bisschen schwer, uns unter andere zu stellen, aber das ist
immer der gesegnetste Weg. Ich kann mich erinnern bei meinem Onkel. Ich habe viele Cousins so in
meinem Alter. Wir haben oft viel früher zusammen gemacht im jugendlichen Alter und dann habe ich
meine Cousin zu Hause im Haus der Eltern, der meines Onkels besucht. Da hing immer ein Schild an der
Wand. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Da stand auf diesem Schild, das war kein Bibelspruch, meine ich
jedenfalls nicht. Ich hätte das noch nicht in der Bibel gelesen. Da stand einfach drauf, auf dem untersten
Weg ist nie Gedränge. Den anderen höher, als sich selbst einzuschätzen. Gott hat ihnen seine Gnaden
gegeben, seine Aufgaben gegeben. Da sollen wir uns Mühe geben, keinen anderen an uns vorbeiziehen zu
lassen, der dem anderen Wertschätzung mehr erweist, als ich selbst vielleicht. Lieber der erste sein und
sich unter den anderen einzuordnen und zu erkennen und anzuerkennen, welche Gaben er hat. Im Fleiß seid
nicht säumig, seid inbrünstig im Geist, brennt für die Sache des Herrn innerlich und seid da nicht
nachlässig oder behäbig darin. Fleiß ist ein Wort im Alten Testament, im Neuen Testament wird
immer wieder uns gemahnt fleißig zu sein. Die Welt hat oft eine ganz andere Perspektive auf Fleiß.
Die sagt zum Beispiel, wenn wir meinen, wir wollen Fleiß für den Herrn anwenden, dass das
vertane Zeit ist. Die sagt, wir sind träge, wenn wir uns für die Dinge des Herrn interessieren.
Aber Gott sagt, wendet Fleiß an und wenn ihr schon Fleiß anwendet, werdet da nicht nachlässig
darin. Habt eure Prioritäten im Blick auf die Ansprüche, wenn ich mal sagen darf, auf das,
was Gott in deinem und in meinem Leben erwarten kann und dann Zeit darin zu investieren, Energie
darin zu investieren. Zeit ist vielleicht sogar das größere Problem für uns heute, aber im Fleiß
nicht träumig zu sein, ist schon, glaube ich, ein drängendes Wort für uns. Dem Herrn dienend. Haben
wir das immer im Hinterkopf oder sehen wir immer die Geschwister, an denen wir dienen? Jeder Dienst,
den wir einem der Seinen erweisen, der Jesus sagt das selbst, selbst der geringste Dienst, ein Glas
Wasser zu reichen, das habt ihr mir getan. Haben wir diesen Blickwinkel, dass wir, dass das unsere
Motivation ist, auch im Fleiß nicht träumig zu sein, dass wir darin dem Herrn dienen. Einen besseren
Meister gibt es nicht, dem wir dienen können. Er wird auch alles recht bewerten, was wir getan haben.
In den Augen der Menschen mag mancher Dienst, den wir tun, vielleicht vernachlässigbar, überflüssig
sein. Aber wenn wir es für den Herrn getan haben, er, wenn ich das nur so sagen darf, schreibt das in
seinem Buch. Er vergisst das nicht. Nicht das geringste, was wir für ihn getan haben. In Hoffnung
freut euch, im Trübsal hart aus, im Gebet haltet an. Vers 12. Christen haben eine Hoffnung und wenn
wir irgendwie über Hoffnung nachdenken, die Welt, wenn sie etwas hofft, dann ist das absolut ungewiss
für sie, ob das je eintritt oder nicht. Wenn Christen etwas hoffen und Christen hoffen etwas, wir haben
eine Hoffnung, dann ist die Sache selbst 100% sicher. Nur der Zeitpunkt, wann er eintritt, ist ungewiss, hat Gott
nicht klar offenbart. Wir haben eine glückselige Hoffnung, lesen wir im Neuen Testament. Wir wissen,
dass unsere Hoffnung oben in der Herrlichkeit ist. Wir wissen nur nicht den Zeitpunkt, wann sie sich
erfüllen wird. Aber die Hoffnung ist unverrückbar fest. Hoffnung ist eins dieser drei Elemente oder
dieser drei Motoren unseres christlichen Glaubenslebens. Glaube, Liebe, Hoffnung. Hoffnung geht nach vorne
in die Zukunft, die vor uns liegt. Jetzt steht bei diesen drei Begriffen im Vers 12 in der Mitte in
Trübsal hart aus. Und ich habe ein bisschen den Eindruck, dass dieser mittlere Satz einfacher für
uns wird, wenn wir den ersten und den letzten Satz in diesem Vers kennen und verinnerlichen.
Wenn wir in schweren Lebensumständen sind, sollen wir darin ausharren, darunter bleiben, nicht
aufbegehren dagegen. Aber ich habe den Eindruck, das fällt leichter, wenn wir wissen, was unsere
Hoffnung ist und wenn wir die Kraft des Gebetes kennen. In Hoffnung freut euch, in Trübsal haltet
hart aus, im Gebet haltet an. Es gibt ein sehr interessantes kleines Büchlein über das Gebet. Das
heißt ganz einfach und schlicht, Gebet oder Beten, reden mit Gott. Einfach anerkennen, wir sind
Menschen hier auf dieser Erde, aber wir kennen einen Gott im Himmel, der unser Vater ist, mit dem
reden wir. Wir haben bei uns am Ort seit einiger Zeit regelmäßig ein Treffen mit allen Brüdern, die
am Brotbrechen teilnehmen und sprechen über grundlegende Dinge des Versammlungslebens. Dann
kommen wir auch schon mal ganz offen ins Gespräch über Beteiligungen in den Zusammenkünften. Weiß
nicht, wie das hier ist, ob das hier auch ein Thema ist, dass jüngere Brüder ein bisschen Mut brauchen,
um sich auch einmal unter der Leitung des Geistes den Mund aufzutun. Da habe ich manches Mal gehört,
wir können nicht so beten wie ihr. Wir können uns nicht so ausdrücken wie ihr. Beten ist reden mit
Gott. Wir wollen nicht flapsig sein, sicherlich nicht in unserer Ausdrucksweise, aber wir wollen
auch nicht so eine vergeistlichte Sprache in den Gebeten wählen, die nur die verstehen, die auch
einen gewissen Erkenntnisstand haben. Beten ist ein schlichtes Reden mit Gott. Und auch unter der
Leitung des Heiligen Geistes in den Zusammenkünften kommt es nicht darauf an, ausgeklügelte,
wohlformulierte Sätze vorzubringen, sondern das Herz einfach vor Gott, unserem Vater aufzutun.
Und das kann natürlich auch jeder für sich im persönlichen Leben machen, auch die Kinder schon,
reden mit Gott. Und das soll anhaltend sein, im Gebet haltet an. Gebet in dieser Hinsicht ist immer
der Ausdruck von Abhängigkeit. Und wir sind, solange wir auf dieser Erde sind, abhängig. Wir können
nichts alleine. Max Biller, da hat er es einmal gesagt, beten bedeutet eigentlich, ich kann es
alleine nicht. Es gibt verschiedene Formen des Gebetes natürlich, in Lobpreis, in Anbetung,
aber ich meine, hier ist das schlichte Gebet gemeint, auch im Zusammenhang mit den
Lebensumständen, in denen wir uns befinden, einfach vor Gott auszuschütten. An den Bedürfnissen der
Heiligen nehmt teil. Und auch der nächste Satz noch, nach Gastfreundschaft trachtet. Zu erkennen,
dass der andere, jetzt finde ich hier sehr bemerkenswert, wir haben am Anfang von Brüdern
gelesen. Jetzt lesen wir hier von Heiligen und später haben wir noch einmal etwas von Geliebten
gelesen, in Vers 19. Es sind immer die gleichen Empfänger gemeint. Aber ich habe auch den Eindruck,
dass der Apostel natürlich unter der Leitung des Geistes, aber dass er auch jeweils in dem
Zusammenhang den Blick einmal schärfen will, welch eine Stellung wir vor Gott haben. Welch
eine Stellung mein Bruder neben mir und meine Schwester neben mir vor Gott hat. Es ist mein
Bruder, es ist meine Schwester, ja, es ist aber auch ein Heiliger, für Gott an die Seite gestellt.
Und wenn solch einer, der für Gott reserviert ist, Bedürfnisse hat, dann dürfen wir da einfach
nicht achtlos daran vorbeigehen. Dann sollen wir daran teilnehmen. Das bedeutet nicht nur,
dass wir so mit einer kühlen Hand eben die Not lindern, wie man vielleicht einmal in der Innenstadt
an so einem Becher was reinwirft, sondern teilnehmen meint einfach auch sich damit mal
eins machen, da mal hinein zu denken, was das für eine Not ist. Nach Gastfreundschaft trachtet. Wir
haben an den Gaius gedacht, im dritten Johannesbrief. Der hat das ja verwirklicht. Der Apostel Johannes
kann das loben. Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt einmal davon auch, wenn Gastfreundschaft
ausgeübt wird, dass manche ohne ihr Wissen eigentlich Engel sogar beherbergt haben dabei.
Also dass man, man hat oft den Bruder vor Augen oder die Schwester vor Augen, aber wir dürfen auch
dahin durchschauen und sehen, das ist ein Dienst, den wir für Gott tun. Das Haus aufzutun für Fremde,
Gastfreundschaft. Noch einmal sage ich, das ist, das genießen zu dürfen, ist ein großartiges
Geschenk. Aber das erweisen zu dürfen, ist ein Mitarbeiten im Werk Gottes. Ist auch eine großartige
Seite. Segnet die euch verfolgen, segnet und flucht nicht. Jetzt scheint es mehr tatsächlich auch um
Menschen zu gehen, denen wir begegnen, die es nicht so gut mit uns meinen, die wahrscheinlich
noch nicht wiedergeboren sind. Die ungläubigen Menschen, die uns umgeben. Das habe ich den Eindruck,
ist in den nächsten Versen auch mehr der Gesichtspunkt dabei. Und da geht es jetzt darum, auch später,
ja im nächsten Vers dann gleich, im übernächsten Vers, nicht Böses mit Bösem zu vergelten.
Die Welt erweist uns nicht immer Gerechtigkeit. Habt ihr vielleicht mal erlebt, wenn es um eine
Auswahl geht, Personalauswahl bei einer Stellenbewerbung? Habt ihr vielleicht mal erlebt, wenn es um,
ich will das mal andersrum sagen, ich fühlte mich mal absolut ungerecht behandelt, als man mir früher
in der Schule einmal meine Klassenarbeit weggenommen hat. Ich habe gar nichts falsch gemacht. Ich habe
nur nicht gewusst und gesehen, dass mein Nachbar neben mir bei mir abgeguckt hat. Da waren beide
Arbeiten weg gewesen. Ich war mir wirklich mit reinem Gewissen, keiner Schuld bewusst, ungerecht
behandelt worden. Und so erleben wir das manchmal in der Welt, dass wir ungerecht behandelt werden,
dass man uns auch Ungutes nachruft. Dann finden wir jetzt hier Haltungen, die eigentlich in dem
Herrn Jesus Tag für Tag zu sehen und zu erleben waren. Hat er nicht immer wieder den Widerstand
der Menschen erlebt und erduldet? Hat er jemals Gleiches mit Gleichem vergolten? Er hat immer in
seinem praktischen Leben versucht, das Böse mit dem Guten zu überwinden, wie dann hinterher auch
dieser Abschnitt ja schließt. Wir vergessen vielleicht manches Mal, dass in dem, was wir
Gutes tun, dass da eine Kraft Gottes auch wirksam ist, die tatsächlich Böses überwinden kann.
Der Jesus hat auch an einer Stelle mal gesagt, wenn dein Feind dich auf die eine Seite schlägt,
dann halt ihm auch die andere Seite hin. Also wir sollen auch nicht in heftige Reaktionen verfallen,
aber hier wird ein Gegensatz aufgemacht, segnet die euch verfolgen. Da wirst du also ungerecht
angeklagt, verfolgt und dann sollst du im Gegenzug dazu dem anderen Gutes zureden, Gutes wünschen,
dem, der dich jetzt gerade verleumdet oder sonst irgendwas falsch dir gegenüber getan hat,
dem sollst du Gutes zusprechen. Das meint das Segnen. Schwierig, ne? Im Alltag und da möchte
ich wieder darauf zurückkommen, dass Gott uns etwas Neues geschenkt hat, eine neue Natur, die
das kann. Und wenn wir viel von dem Herrn Jesus als Mensch auf dieser Erde lernen, dann kennen wir
diese Haltung auch, der gesegnet hat, als er verfolgt wurde. Er wurde mehr verfolgt als unser
Heiland und hat er nicht noch am Kreuz hängend an die gedacht, die ihn verfolgt haben? Vergib ihnen,
denn sie wissen nicht, was sie tun. Eine Haltung der Vergebensbereitschaft, des Segens, die wir von
unserem Heiland lernen können. Freut euch mit den sich Freunden, weint mit den Weinenden. Wir
sollen also auch eine innere Teilnahme erweisen an den Empfindungen und Erfahrungen, durch die
unsere Mitgeschwister gehen. Und jetzt meine ich auch, ist hier der Vers vielleicht gar nicht nur
auf unsere Mitgeschwister beschränkt. Wenn dein Nachbar seine Frau verliert, haben wir dann die
Mut in das Haus zu gehen und mit den Weinenden zu weinen. Das kann auch eine Aufgabe sein. Ein
Wort des Trostes und vielleicht des Evangeliums zu sagen. Freut euch mit den sich Freunde,
das fällt uns vielleicht leichter. Mein Bruder hat eine Tochter durch einen Verkehrsunfall verloren,
im Alter von 17 Jahren. Ich habe das im Büro gehört und bin vom Büro aus in das Haus meines
Bruders gefahren. Ich habe selten einen schwereren Weg gemacht. Weint mit den Weinenden. Ein Kind
verloren? Was für eine Not. Und wie wichtig ist das, wenn wir dann nicht kühl bleiben. Wenn wir
Empfindungen zeigen, die diesen Empfindungen entsprechen. Dann kann ein Trostwort oder nur
eine Geste eine großartige Hilfe sein. Und wenn da jemand sich freut, eben habe ich gesagt, das
scheint der leichtere Teil zu sein. Es kann aber auch sein, dass das der schwerere Teil sogar ist.
Da geht es auf einem anderen auf einmal besser als mir selbst. Da soll ich mich mit freuen? Hat er
eine neue Stelle gekriegt, die ich nicht gekriegt habe? Kann ich mich da wirklich von Herzen mitfreuen?
Christentum ist nicht Egoismus. Das lernen wir hier in diesem Versen. Es ist einfach auch sehen,
dass der andere unbedingt wertvoll ist. Nicht nur in den Augen Gottes, sondern auch in unseren Augen.
Und dass wir innerlich teilnehmen können an dem, was ihn gerade bewegt. Im Guten wie im Traurigen.
Das ist ein Wort, das schon unter die Haut geht, meine ich. Seid gleichgesinnt gegeneinander. Das
scheint fast ein kleiner Widerspruch zu sein. Gleichgesinnt und gegeneinander. Aber es meint
einfach, dass wir alle miteinander die gleiche Denkrichtung haben sollen. Die gleiche Ausrichtung
unserer Ziele, Überlegungen, unserer Gedanken. Und das geht eigentlich nur, wenn der Zentralpunkt,
der Zielpunkt unserer Gedanken eine Person ist. Dann wird das Ganze einfach. Wenn all unsere
Denkrichtung, unsere Überlegungen und Ziele auf eine Person hinauslaufen, dann werden wir nie ein
Problem miteinander haben. Brüder nicht und Schwestern nicht. Wenn alle das eine wollen,
Christus, dann sind wir gleichgesinnt. Sind nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den niedrigen.
Das ist das, was wir auch am Anfang dieses Kapitels schon etwas mal gestreift haben. Nicht
über das Maß hinaus zu gehen, was Gott gegeben hat. Hier scheint es noch weiter zu gehen und zu
sagen, habt nicht genau die Bestrebung mehr zu sein, mehr sein zu wollen als andere. Hohe Dinge
haben zu wollen, erstreben zu wollen, das ist bei Gott ein Gräuel. So lesen wir in den Evangelien.
Nach hohen Dingen zu trachten, das möchte Gott nicht. Haltet euch zu den niedrigen, zu den
niedrigen Dingen, zu den niedrigen Menschen vielleicht auch. Es gibt einen sehr schönen
Vers im zweiten Korinther Brief. In 2. Korinther 7, da spricht Paulus von seinen Kämpfen,
inneren Kämpfen, äußeren Unruhen, die er hatte. In Kapitel 7 Vers 5, als er nach
Mazedonien kam, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern in allem waren wir bedrängt. Von außen
Kämpfe, von innen Befürchtungen. Der aber die Niedrigen tröstet Gott. Gott tröstet die Niedrigen.
Deshalb sind wir nicht auf hohe Dinge. Halten wir uns zu den Niedrigen. Gott hat es mit den
Niedrigen. Die sind ihm wichtig und er tröstet sie, wenn sie in Übungen sind. Seid nicht klug bei
euch selbst. Das ist ein Kernproblem, glaube ich. Im Miteinander. Zu meinen, als Einziger die
richtige Einstellung zu einer Sache zu haben. Da gibt es ein Thema, was man behandelt. Da
werden verschiedene Gedanken zusammengetragen und ich bin der Überzeugung, ich alleine sehe es
richtig. Manchmal ist das in der Brüderstunde ein Problem. Da sollen wir nicht klug bei uns
selbst sein. Wir haben heute oder gestern Abend auch von Besonnenheit gehört. Auch einmal, wenn
es darum geht, verschiedene Sichtweisen über ein Thema mal zu besehen oder zu hören. Nicht gleich
mit der eigenen Meinung vorzubreschen und zu sagen, das ist der Maßstab, aber immer in der Haltung
zu bleiben, lernen zu wollen. Das ist glaube ich, was hinter diesem Satz steht. Nicht klug bei sich
selbst zu sein, sondern bereit sein, auch nochmal Belehrung anzunehmen. Vielleicht ist die Sichtweise
des anderen oder der anderen gar nicht so verkehrt. Wir haben sie nur noch nie überdacht und
berücksichtigt. Also nicht in der Haltung zu sein, ich weiß schon alles, sondern durchaus auch einmal
bereit sein zu hören, was der andere oder die andere zu sagen hat. Vergeltet niemand Böses mit Bösem.
Das ist auch sehr schnell ist von den Jüngern geschehen. Der Heiland hatte vor ihnen davon
gesprochen, was ihm alles widerfahren würde in Jerusalem, wie er überliefert werden würde, wie
sie ihn gefangen nehmen, geißeln, verspotten, zum Tode bringen würde. Da sind zwei von den Jüngern,
die haben sich das scheinbar angehört und die sagen zu dem Herrn Jesus, wir möchten gerne den
ersten Platz bei dir haben. Was muss das für den Heiland gewesen sein? Die haben scheinbar gar
nicht zugehört, was sein Inneres bewegt hat. Sie haben nur an sich gedacht und fleischlich reagiert
darauf. Dann kommen die anderen Jünger und zanken fast mit denen darüber. Das war auch
wieder nicht gut. Das war Fleisch mit Fleisch reagieren und hier Böses mit Bösem zu vergelten.
Die Welt tut das übrigens. Die handelt falsch oder wenn sie falsch behandelt wird, dann schlägt sie
genauso falsch zurück. Aber das sollte bei uns nicht gefunden werden. Hat auch unser Heiland nie
getan. Böses mit Bösem vergelten. Er hat genau das getan, was wir vorhin schon einmal gesagt haben.
Er hat das Böse mit dem Guten überwunden. Seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen.
Das ist fast wieder eine Geschmacksfrage, in welcher Zeit wir leben, oder? Was ehrbar ist vor
allen Menschen? Ist heute vielleicht ein anderer Maßstab als damals? Wir haben einen Maßstab,
der sich übrigens nie verändert. Und wenn wir uns nach dem halten, dann verhalten wir uns ehrbar
vor allen Menschen. Wir brauchen Maßstäbe, die beständig sind, die Bestand haben, die unveränderlich
sind. Und wenn wir nach denen leben, dann können wir sicher sein, dass wir ehrbar handeln vor
allen Menschen. Aber der Schreiber sagt jetzt hier nicht, handelt ehrbar vor allen Menschen,
sondern er sagt, seid bedacht. Das setzt einen gewissen Überlegungsprozess bei mir voraus. Das
ist so ähnlich, wie wenn es um Frieden geht. Da kommen wir, meine ich, auch noch dazu. Wenn es um
Frieden geht, da gibt es eine Stelle in den Sprüchen, die heißt, dass man Frieden planen kann.
Man kann im Vorab die Auswirkungen des eigenen Handelns überdenken und sagen, also wenn ich das
doch so mache, dann ist am Ende vielleicht doch Streit. Und dann plane ich lieber um und plane
mein Verhalten so, dass am Ende Frieden ist. Und hier sollen wir unser Verhalten bedenken und
überdenken, ob es so wie ich mich gebe, was ich tue, was ich sage oder schreibe, ob das ehrbar
ist vor den Menschen. Wenn möglich, so viel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Da
haben wir jetzt diesen Frieden. Frieden bedeutet ja, dass es verschiedene Parteien gibt, die an
einem Begegnungsort sind und da kein Krieg ist, sondern Harmonie ist. Das deutlichste Beispiel
dazu schreibt Paulus an die Epheser, dass Christus unser Friede ist. Da meinte er, er ist der
Begegnungspunkt zwischen Juden und Gläubigen aus den Nationen, dass die vorher überhaupt keinen
Begegnungspunkt kannten. Die Juden waren das Volk Gottes. Die Nationen waren ohne Gott in der Welt,
aber jetzt können sie zusammentreffen. War eine wunderbare Mittelpunkt, Christus. Und hier können
wir mit allen Menschen in Frieden leben. Es gibt eigentlich zwei einleitende Bedingungen in
diesem Satz. Wenn möglich, wenn aber dein Nachbar keinen Frieden will. Also der erste Teilsatz, wenn
möglich, scheint die Verantwortung auf die andere Seite zu legen. Die zweite einleitende Bedingung,
so viel an euch ist, legt die Verantwortung auf mich. Es kann sein, dass der Nachbar, die Nachbarin,
mein Arbeitskollege gar nicht mit mir in Frieden leben will. Dann muss ich das erdulden. Ich kann
ja meinen Arbeitsplatz nicht verlassen oder mein Haus verkaufen und wegziehen. Vielleicht ist das
eine Option, aber das ist schon sehr weit hergeholt. Aber Gott sagt jetzt hier, es gibt zwei Gesichtspunkte
zu Frieden. Es kann sein, dass der andere es nicht will, aber wenn es irgend möglich ist, lebt mit ihm
in Frieden. Und schon ganz besonders unter der Voraussetzung, so viel an dir ist, lass es dich
etwas kosten, mit dem anderen in Frieden zu leben. Vielleicht auch sogar, wenn du übervorteilt wirst.
Ist ein Thema im ersten Korintherbrief auch, wo die Korinther ihre Rechte vor irdischen Gerichten
ausgefochten haben. Lass dich doch lieber übervorteilen. Wenn es an dir ist, so viel du aufwenden kannst,
tu dazu, dass Harmonie bestehen bleibt. Recht nicht euch selbst Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn.
Jetzt kommt auch wieder dieses feindselige Verhalten anderer Menschen mir gegenüber. Das soll nicht
dazu führen, dass ich Gleiches mit Gleichem vergelte, dass ich mich selbst räche. Rache oder Gericht über
Böses ist nicht Angelegenheit von uns. Ich klammer jetzt einmal die Frage aus, dass eine örtliche
Versammlung Böses in ihrer Mitte beurteilen muss. Aber das ist nicht das Thema hier. Hier geht es darum,
dass mir vielleicht Unrecht geschieht, dass ich übervorteilt werde und da soll ich mich nicht
rächen darüber, sondern ich soll dem Raum geben, der das Gericht bringen wird. Vielleicht nicht in
dieser Zeit, vielleicht später erst. Aber wir sollen dem Raum geben, der, darf ich sagen, befugt ist,
der als einziger befugt ist, Gericht zu üben über das Böse. Nicht wir selbst dürfen die Dinge in die
Hand nehmen. Wir lernen das in manchen anderen Briefen auch. Die Thessalonicher sind verfolgt
worden wegen ihres Glaubens. Und dann sagt der Apostel Paulus nicht, steht dagegen auf, kämpft dagegen an.
Er verweist auf einen viel späteren Tag. Da wird einmal Gott dafür sorgen, dass sich die Dinge
komplett verändern werden. Dann werden die, die euch heute verfolgen, selbst verfolgt werden. Gebt Raum
dem Zorn. Lasst Gott handeln. Er wird das Recht seiner Auserwählten ausführen. Das lesen wir dann
auch in dem nächsten Satz. Es steht geschrieben, mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht
der Herr. Und Vers 20 zeigt dann genau das Gegenteil von Rache. Wenn dein Feind hungrig ist,
dein Feind, nicht der Nachbar neben dir, der sympathisch ist, sondern dein Feind, der offen
gegen dich aufgetreten ist. Wenn der auf einmal in eine Not kommt, da freuen wir uns darüber. Das
geschieht ihm ja recht. Er hatte so viel Unrecht mir gegenüber erwiesen. Nein, sagt der Schreiber
hier, dann gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, ist immer noch der Feind, der einem eigentlich noch
nie etwas Gutes erwiesen hat, dann gib ihm zu trinken. Denn wenn du dieses tust, wirst du feurige
Kohlen auf sein Haupt sammeln. Das wird ihn absolut beschämen. Das wird in sein Gewissen hineinbrennen,
wenn du etwas tust, was völlig unüblich in dieser Welt ist. Dir wird Unrecht geschehen. Du wirst
verfeindet und verfolgt, angefeindet. Und dann tust du demjenigen, der dir so ungerecht begegnet,
etwas Gutes. Das beschämt ihn komplett. Aber es ist das Handeln eines Christen. Es ist das Handeln
des Herrn selbst. Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem
Guten. Hier ist das Böse, was von außen an uns herankommt, gemeint. Lass dich davon nicht überwältigen.
Die Hebräer, denen schreibt der Apostel, meine ich auch so ähnlich, in Kapitel 12, sie haben
noch nicht gegen die Sünde ankämpfen bis aufs Blut widerstanden. Das meint nicht die Sünde in uns,
gegen die man ankämpfen könnte irgendwie, sondern das meint das Böse, was von außen, die Feindschaft,
die an uns herangetragen wird. Da sagt er, ihr habt das noch nicht so erduldet, dass ihr als
Märtyrer sterben musstet. Und hier, lass dich von diesem Bösen, was von außen in dieser Welt an
dich herankommt. Diese Ungerechtigkeit, dieser Spott, lass dich nicht davon überwinden, in diesen Sog
ziehen, Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.
Das ist der letzte Satz in diesem wunderbaren Kapitel. Wir haben ja jetzt sehr schnell nur
über diese einzelnen Aufforderungen nachgedacht, aber ich meine, dass dieser letzte Satz eigentlich
das ganze Handeln Gottes mit den Menschen beschreibt, wie wir es schon haben erleben
dürfen. Im Kern das Böse mit dem Guten überwunden. Das Böse, was durch die Wirksamkeit des Teufels in
die Welt gekommen ist, es wird letztlich besiegt werden. Satan ist nicht der letzte Sieger. Es
scheint heute noch so, aber das Böse in dieser Welt wird überwunden durch das Gute. Das Werk
des Herrn Jesus von Golgatha ist die Grundlage von jedem Segen, der auf dieser Erde noch
ausgeschüttet wird. Von jedem Segen, den wir heute schon genießen dürfen, von jedem zukünftigen Segen,
der noch auf uns wartet, den wir erleben werden. Diese Hoffnung haben wir, auch von jedem Segen,
den das irdische Volk noch erleben wird, den die Schöpfung noch erleben wird, die jetzt seufzt
und weint und klagt, das wird einmal ein Jubel auf dieser Erde geben. Alles Böse wird durch das
Gute überwunden werden. Wenn der Herr uns schenkt, in dieser Gesinnung unseren Weg zu gehen, diese
moralischen Kennzeichen in der Umgebung, in die wir gestellt sind, zu zeigen, was für ein Gewinn
wäre das. Ich habe manchmal gedacht, das sind, weiß ich nicht, 24, 30 Aufforderungen in diesen Versen,
je nachdem, wie man sie zählen mag. Ich habe mal gedacht, ob wir vielleicht zwei oder drei davon
verwirklichen, aber da muss ich sagen, Geschwister, dann haben wir das Kapitel verfehlt. Wenn wir die
ersten zwei Verse, das möchte ich abschließend noch einmal sagen und an den Freitagabend anknüpfen,
wenn wir die ersten zwei Verse gut verstanden haben, dann wissen wir jetzt, dass wir nicht mit
zwei oder drei dieser Kennzeichen zufrieden sein können. Dann erwartet Gott von uns in der
Hinwendung an ihn ein vollkommenes Leben zu seiner Ehre, im Miteinander unter Geschwistern, im
Miteinander als Gläubiger an dem einen Leib, dass wir den anderen sehen und schauen, was wir ihm
Gutes tun können und im praktischen Leben unter Geschwistern, unter Menschen dieser Welt, dass wir
das Gute zeigen, die helle Seite der Dinge, die das Böse in dieser Welt auslöschen kann. Ich
empfinde sehr, muss ich euch sagen, dass das Verse sind, die in aller erster Linie zu mir sprechen
und die Programm eigentlich für unser Leben sein sollten. Nicht mechanisches Programm, sondern
Lebensprogramm, Herzensprogramm und dann fällt es uns leichter, wenn wir an diese Erbarmungen
denken, die Erbarmungen Gottes mir und dir gegenüber.
Lass dein Leben durch uns strömen, deiner Liebe, Geist und Macht.
Von der Rätselmacht zu zeugen, die von Zünd und Selbst befreit.
Dazu sind wir deine Boten, dazu hast du uns geweiht.
Nur der Felsen guter Meister, doch gefüllt mit deiner Kraft.
Lass dein Leben durch uns strömen, deiner Liebe, Geist und Macht.
Bis du füllst mit deinem Geiste jedes Herz, das völlig klein.
Lass den Strom lebend gefasst sein, bei uns durch uns richtig sein.
Nur der Felsen guter Meister, doch gefüllt mit deiner Kraft.
Lass dein Leben durch uns strömen, deiner Liebe, Geist und Macht. …
